Gastartikel von Christian Arno / Lingo24.

Die Globalisierung findet nicht allein in der Wirtschaft statt, auch privat vernetzen sich Menschen mit anderen Kulturen und tauschen sich aus. Das Internet und die Unterhaltungsindustrie machen es möglich. Entsprechend wird auch die Soft- und Hardware international vertrieben. Doch das beste Produkt hat keinen Wert, wenn es nicht den Wünschen der Zielgruppen entspricht. Denn jeder Mensch möchte am liebsten in seiner Muttersprache kommunizieren. Vielen fällt es leichter ihre individuelle Heimatsprache zu sprechen als die englische Weltsprache anzuwenden. Daraus sollten sich Softwareunternehmen einstellen. Die Lokalisierung der global verwendeten Software – das ist die Lösung.

Software-Lokalisierung mit Sprache erreichen

Jeder Mensch fühlt sich einer Kultur zugehörig. Er spricht eine Muttersprache, er hat Konventionen, tägliche Umgangsformen und ein Milieu, in dem er sich wohlfühlt. Wenn ein Unternehmen diesem Menschen nun ein Produkt wie eine Applikation verkaufen möchte, dann sollte es die Gewohnheiten und Wünsche kennen. Erst einmal ist die Sprache entscheidend. Versteht der anvisierte Neukunde, das Angebot nämlich nicht, so wird er es auch nicht in Anspruch nehmen.

Auch Unternehmenslenker wollen ein Produkt verstehen, bevor sie es für ihr Unternehmen anschaffen. Vielfach werden gleiche Programme und Anwendungen weltweit in Unternehmen eingesetzt, um die Kompatibilität zu gewährleisten und auch Kostenersparnisse zu realisieren. Der Umsatz steigt also, wenn die Programme lokalisiert angeboten werden. So steigt die Zahl der potenziellen Anwender und auch das Absatzgebiet vergrößert sich enorm, wenn die Zielgruppen individuell angesprochen werden und ihre Sprache berücksichtigt wird.

Professioneller Umgang mit Sprachen

Eine Lokalisierung von Anwendungen und Gebrauchsanweisungen steht und fällt mit der jeweiligen Sprache. Einfach Wort für Wort aus dem Englischen in eine Zielsprache zu übersetzen, das macht keinen Sinn. Die unprofessionell übersetzten Gebrauchsanweisungen aus Fernost machen das Problem klar. Holprige Sätze und nicht verständliche Erklärungen machen erst das Produkt lächerlich und dann auch das Unternehmen, das es vertreibt. Auf die Sprache der Zielgruppen mit ihren Redewendungen sollte viel Aufmerksamkeit gelegt werden. Ein Muttersprachler, der die Materie kennt, hat hier deutlichen Heimvorteil vor einem Menschen, der allein mit Hilfe eines Wörterbuches übersetzt. Zeitgeist und Kultur spielen nämlich auch eine wichtige Rolle bei der Ansprache von Zielgruppen. Nicht zuletzt, um ernst genommen zu werden.

Um die gewonnenen Kunden zu binden, ist auch die Betreuung durch den Support sehr wichtig. Auch hier sollte die jeweilige Sprache gut gesprochen werden. Zudem sollte die Fehlersuche in den Programmen mit Hilfe hochwertiger Sprache funktionieren. Unverständliche Hilfestellungen könnten die Anwender schnell verärgern. Die Folge: Die Kunden springen ab und suchen sich andere Anwendungen und Programme, die einen besseren Support bieten. Im schlimmeren Fall tun sie das auch im Internet kund und raten vom Kauf der Programme und Anwendungen ab. Damit sinkt die Absatzkurve schnell.

Nachladbare Sprachpakete integrieren

Softwareentwickler können vorbeugen, indem sie Sprachpakete in die Software integrieren, die je nach Zielgruppe und Zielgebiet nachgeladen wird. Ideal ist es, wenn jeder Nutzer die Freiheit genießt, seine Muttersprache zu verwenden. Die Programme an sich sollten daher von den Ausgabetexten, den Sprachausgaben sowie den Piktogrammen getrennt geladen werden. Die übliche optische Nutzerführung ist nämlich auch nicht in jedem Kulturkreis gleich. Sie unterscheidet sich teils sehr stark. Beispielsweise ist das Zeichen “Daumen hoch” in Europa, in Amerika, Australien das Zeichen für OK. Im Iran hingegen gilt dieses Symbol als eine Obszönität. Auch in Bangladesch und in Thailand gilt diese letztere Einschätzung. Wenn ein Programm also mit diesem Symbol arbeitet, dann sollte es lokalisiert angepasst werden. In asiatischen Gebiete sind andere Symbole anzuwenden, die entsprechend bei Erstinstallation nachgeladen werden. Eine derartige Trennung ermöglicht es, dass Europäer und Asiaten bequem einen Server benutzen und doch ihre jeweiligen Sprachausgaben verwenden.

Die kulturelle Wahrnehmung berücksichtigen

Als obszön gilt im Iran auch der Anblick nackter Körperumrisse. Und ein Hund, der in Europa gerne symbolisch für die Suchfunktion eingesetzt wird, gilt bei Muslimen als unrein. Hier sollte ein anderer Suchagent arbeiten. Wer die Kultur, das Land und die Menschen kennt und einschätzen kann, ist klar im Vorteil bei den Schritten der Lokalisierung. Übersetzer mit kulturellem Hintergrundwissen und guter Sprachkenntnissen in der jeweilig gesuchten Sprache können auch Hinweise zu Formaten und Bildaussagen sowie Farbkonnotationen geben. Mit der Farbe Grün verbinden Menschen arabischer Länder vielfach religiöse Themen. In Deutschland ist es die Farbe der Hoffnung. Rot ist in Deutschland die Farbe der Liebe. Sie symbolisiert aber auch Gefahr. Chinesen assoziieren vor allem Ruhm und Glück mit der Farbe Rot.

Maße und Währungen sind ebenso bedeutsam bei der Software-Lokalisierung. Während Deutsche in Euro rechnen, haben deutschsprachige Schweizer noch ihre Franken. Spanisch wird in vielen Ländern der Welt gesprochen, doch die Währungen variieren teils deutlich. Hispo-Amerikaner nutzen den Dollar und Spanier wiederum den Euro. Ganz gleich, ob gedruckte Gebrauchsanweisung oder Online-Hilfe – ohne geeignete Ansprache funktioniert es nicht. Professionelle Übersetzer mit Erfahrung im IT-Bereich helfen dabei, Menschen zielgruppengerecht anzusprechen.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, ein der bekanntesten Übersetzungsbüros Europas, das sich auch auf Website-Lokalisierung spezialisiert. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.